

Nicaragua ist – nach Haiti – das ärmste Land in Zentralamerika und der Karibik. Jahrzehntelang war es im Würgegriff des Somoza-Clans, der von den USA unterstützt wurde. 1979 gelang den Sandinisten der Umsturz; der Diktator floh aus dem Land, unter der Führung der Ortega-Brüder zogen die Revolutionäre siegreich in Managua ein.
Ihre Regierung startete mit viel Hoffnung und guten Ideen, unterstützt von Kuba und anderen sozialistischen Staaten. Aber der illegale Abnützungskrieg der USA, die konterrevolutionäre Banden namens Contras unterstützten, zermürbten das Land. So siegte 1990 überraschend ein oppositionelles Wahlbündnis gegen die herrschenden Sandinisten.
Erst 2006 gelang es Daniel Ortega, in umstrittenen Wahlen wieder Präsident zu werden. 2011 hätte er laut Verfassung nicht mehr antreten dürfen, tat es dennoch und ist seither – bestätigt durch Pseudo-Wahlen – ununterbrochen bis heute an der Macht. Inzwischen hat er sich von allen ursprünglichen revolutionären Zielen entfernt und herrscht mit einem brutalen Unterdrückungsapparat, der jede Opposition notfalls auch gewaltsam mundtot macht und zerschlägt.
Da Ortega zunehmend gesundheitlich angeschlagen ist, herrscht seine Frau und Vizepräsidentin Rosario Murillo, die unter religiösen Wahnvorstellungen leidet, über das Land. Angesichts der zunehmenden Repression haben die meisten NGO, Entwicklungshilfsorganisationen und sogar die Vertretung des Vatikans das Land unter Protest verlassen.
Nicht so Swissaid. Sie unterwirft sich –vielleicht in nostalgischem Gedenken an frühere sandinistische Träumereien – klaglos der herrschenden Clique und akzeptiert deren Eingriffe und Kontrollen in die Arbeit von Swissaid. Diese Unterwerfung geht so weit, dass Swissaid nicht einmal mehr journalistische Besuche in Nicaragua zulässt; das sei zu gefährlich für die lokalen Mitarbeiter.
Davon ist aber auf der Webseite kein Wort zu hören. Hier schwärmt Swissaid von «8 laufenden Projekten mit einem Jahresbudget von 1 Million Franken». Während das Land unter der unfähigen und korrupten Regierung stöhnt und leidet, will Swissaid «Kleinbauernfamilien» helfen, mit «agrarökologischen Anbaumethoden mehr Nahrungsmittel zu produzieren». Nicht zu vergessen: «Jugendliche und Frauen werden darin gestärkt, für ihre Rechte und den Zugang zu Wissen und Ressourcen einzustehen».
Wie das in einer der repressivsten Diktaturen Lateinamerikas möglich sein soll, bleibt das Geheimnis von Swissaid. Denn wer in Nicaragua für seine Rechte einstehen will, läuft Gefahr, zusammengeschlagen, ins Gefängnis geworfen oder gleich umgebracht zu werden.
Nicaragua ist sicherlich die höchste Stufe der Perversion von Entwicklungshilfe.