

Das war kein Ruhmesblatt für Swissaid, und die Entwicklungshilfsorganisation möchte am liebsten Gras über die Sache wachsen lassen.
Denn der damalige Präsident von Swissaid musste erklären, wieso die Organisation zunächst einen kritischen Bericht über Deals von Glencore mit mit der korrupten Regierung des Tschad veröffentlichte – und dann feige wieder zurückgezogen hatte. Dabei verwendete 2017 Rudolf Rechsteiner eine ganze Reihe von windelweichen und ausweichenden Argumenten, um diesen Rückzieher zu verteidigen.
Zunächst hatte Swissaid mit grossem Trara einen Bericht veröffentlicht, der Glencore zwar keine direkten Gesetzesverstössse vorwarf, aber Intransparenz und mögliche Korruptionszahlungen.
In einem Interview mit der Berner Zeitung behauptete Rechsteiner zunächst: «Unsere Mitarbeiter vor Ort waren in Lebensgefahr. Wir wollten sie schützen. Und wir mussten befürchten, dass wir als Organisation das Land verlassen müssen. Wir sind dort seit fast fünfzig Jahren in Projekten engagiert.»
Natürlich sprach er nicht von einem Rückzug, sondern von einer «Aktualisierung». Also einer Zensur. «Von Zensur würde ich nicht reden. Für mich ist die Darstellung des Tschad als eines der korruptesten Länder etwas einseitig. Das deckt sich nicht mit meinen Beobachtungen. Es gibt Länder, die viel rücksichtsloser mit ihrer Bevölkerung umgehen.»
Der Tschad, eines der ärmsten Länder der Welt, eines der korruptesten, im Grund genommen ein gescheiterter Staat, soll gar nicht so schlimm sein? Laut Rechsteiner ja: «Der Sohn des tschadischen Präsidenten steht in der Kritik wegen Immobilien, die er in Kanada kaufte. Wenn man genau hinschaut, sind es doch eher Peanuts, und gerichtliche Untersuchungen wurden eingeleitet.»
Also ist doch alles nur halb so schlimm: «Wir behaupten ja nicht, dass der Präsident und seine Regierung brav sind. Doch die Regierung verweigerte den Dialog früher nicht und investierte vor dem Einbruch des Ölpreises durchaus auch zum Nutzen des Landes: Strassen, Spitäler, Elektrifizierung usw.»
Dass es laut Ratings von Transparency International schlichtweg das korrupteste Land der Welt war und ist, will Rechsteiner auch nicht wahrhaben: «Der Tschad ist sehr arm und auf dem diplomatischen Parkett wenig präsent. Er eignet sich gut als Prügelknabe.»
Auf die Frage, ob sich damit Swissaid nicht selbst einen Maulkorb verpassen würde, sagte Rechsteiner: «Es ist eine Frage des Stils. Wir haben im Dialog im Tschad auf Verbesserungen hinwirken können.»
Wenn man mit sechs Jahren Distanz auf diese Behauptungen blickt, bleibt mehr als ein schaler Geschmack zurück. Denn im Tschad hat sich weiterhin nicht das geringste geändert. Die autokratische Clique an der Regierung ist weiterhin korrupt, die Bevölkerung im Elend, und Swissaid betreibt weiterhin «Entwicklungshilfe».
Genau gleich argumentiert die Organisation heute im Fall Nicaragua. Dort herrscht seit vielen Jahren der korrupte Ex-Revolutionär Daniel Ortega mit seiner Clique und bereichert sich schamlos. Die meisten NGO haben das Land unter Protest verlassen. Nicht so Swissaid. Die Organisation bleibt – und verbietet sogar Schweizer Journalisten, einen Augenschein vor Ort zu nehmen. Das sei für das lokale Hilfspersonal zu gefährlich.
Was für eine Perversion des Entwicklungshilfsgedankens. Vor Gewaltherrschern kuschen, um angeblich weiter gute Dinge vollbringen zu können. Die aber völlig wirkungslos waren und sind …
Auf der Webseite von Swissaid wird zwar mit wohltönenden Worten im Tschad «für eine bessere Verteilung des Ölreichtums» geweibelt, von der zurückgezogenen Studie ist aber mit keinem Wort die Rede. Was für eine Heuchelei.