

Das afrikanische Land ist das wohl ärmste der Welt. Über eine Milliarde Euro hatte die EU nach Niger überwiesen. Damit sollte den Migrationgsströme eingedämmt werden, die Tätigkeit von Schlepperbanden unterbunden. Seit dem letzten Militärputsch vom Juli 2023 ist das Schleppergeschäft wiederbelebt worden.
Die Militärjunta will neuerdings nicht mehr mit dem Westen, sondern mit Russland kooperieren. Die dort stationierten rund 1500 französischen Soldaten wurden bereits hinausgeworfen. Nun müssen auch alle US-Soldaten das Land verlassen, die nicht zuletzt versucht hatten, die Aktivitäten von fundamentalistischen Gruppen im Sahel wenigsten zu überwachen. Statt ihrer sind nun russische Soldaten angekommen.
Swissaid kümmern all diese Entwicklungen wenig bis nicht. Die letzte Meldung von Swissaid zu Niger stammt vom 15. April dieses Jahres. «Ausweitung der Nothilfe im Niger», lautet sie. «Zwischen Dezember 2023 und März 2024 unterstützte SWISSAID 1’750 Familien in Notlage in den Regionen Dosso und Tillabéri. Leider ist die Lage in vielen Regionen nach wie vor schwierig.»
Swissaid gibt seit 1974 Geld in diesem Land aus. Zurzeit werden in «10 laufenden Projekten» über 3,5 Millionen Franken verbraten. Nach 50 Jahren unermüdlicher Entwicklungshilfe kann man wohl sagen: ausser Spesen nichts gewesen.
Während sich Swissaid unter anderem um die «wirtschaftliche, soziale und politische Rolle von Frauen und Jugendlichen mit Sensibilisierungsmassnahmen und Aufklärungsarbeit» kümmert, erfolgten seit 1974 bislang fünf Militärputsche. Zuvor war das geschundene Land seit der Unabhängigkeit 14 Jahre lang vom autokratischen Herrscher Hamani Diori regiert worden.
Der jüngste Putsch wurde damit begründet, dass der bisherige Präsident sich einer «schlechten Regierungsführung» schuldig gemacht habe. Dabei war seine Wahl 2021 die erste demokratische Machtübergabe seit der Unabhängigkeit von Frankreich im Jahre 1960.
Die Wirtschaftsgemeinschaft westafrikanischer Staaten (ECOWAS) drohte nach dem Putsch mit einem militärischen Eingreifen, und die Afrikanische Union (AU) forderte die neuen Machthaber auf, sich zurückzuziehen.
Natürlich pfiffen die Putschisten auf diese Forderungen und sind bis heute an der Macht. Während beispielsweise Deutschland seine Entwicklungshilfe an Niger ausgesetzt hat und ein Reisewarnung aussprach, will sich Swissaid weiterhin um die Linderung des Hungers und um Sensibilisierungen und Aufklärung unter Frauen und Jugendlichen kümmert und zu diesem Zweck ganze 11 Toiletten in Schulhäuser eigebaut hat, damit Mädchen auch während der Menstruation den Schulunterricht besuchen können, hat das Land ganz andere Probleme.
Peter Aeberhard ist der «Programmverantwortliche Niger und Tasmania» bei Swissaid. Er lässt sich so zitieren:
«Menschen leben gerne selbstbestimmt in tragfähigen Gemeinschaften und in Sicherheit. Was für einige eine Selbstverständlichkeit ist, bleibt für Viele ein Traum. Mir ist es ein Anliegen, mit meiner Arbeit bei SWISSAID dazu beizutragen, dass dieser Traum zur Wirklichkeit wird.»
Mahamane Rabilou Abdou ist der Leiter des Swissaid-Koordinationsbüros Niger. Er will «einen Beitrag für das Wohl der dortigen Bevölkerung leisten, damit sie in einer gerechteren Welt leben kann».
Welchen Beitrag Swissaid in den letzten 50 Jahren wohl dazu in Niger geleistet hat? Soll der neuste Militärputsch und die Hinwendung zu Russland einen Beitrag dazu leisten, dass die Bewohner Nigers selbstbestimmt und in tragfähigen Gemeinschaften und in Sicherheit leben können?
Es gibt wohl kein anderes Land auf der Welt, in dem die völlige Sinnlosigkeit dieser Art von Entwicklungshilfe augenfälliger wird als hier. Swissaid hilft dabei nicht dem Niger, sondern schlichtweg sich selbst, bzw. seinen Angestellten.