

Es gibt wieder einmal eine Hiobsbotschaft aus einem Gebiet, in dem Swissaid Steuer- und Spendengelder verpulvert. Pardon, Entwicklungshilfe leistet.
Und nun das: «Sintflutartige Regenfälle haben die Region Chocó an der kolumbianischen Pazifikküste in eine schwere humanitäre Krise gestürzt. Zehntausende Familien, darunter auch Begünstigte von SWISSAID-Projekten, sind schwer betroffen.»
Wobei das Beweisfoto verräterisch ist. Denn man sieht deutlich, dass diese Häuser auf Stelzen stehen. Es sind also offenbar Vorkehrungen gegen Überschwemmungen getroffen worden.
Aber furchtbar: «Astrid Álvarez Aristizábal, Verantwortliche für die Region Bahia Solano und Spezialistin für Agrarökologie bei SWISSAID Kolumbien, drückt ihre Sorge um die Bevölkerung aus.»
Natürlich nicht nur das. Obwohl sich Swissaid eigentlich der nachhaltigen und strukturellen Entwicklungshilfe verschrieben hat, ist das hier wieder einer der vielen Fälle, wo schnell gehandelt werden müsse. Swissaid arbeite mit lokalen Partnern zusammen, «um die unmittelbaren Bedürfnisse zu ermitteln und Unterstützung zu leisten, insbesondere in den Bereichen Gesundheit, Nahrungsmittel und Wiederaufbau. Die Nothilfe wird in den kommenden Tagen organisiert».
Und wer ist daran schuld? Die Natur, die in den Subtropen viel ungebärdiger ist als in gemässigten Zonen? Aber nein, diese Niederschläge zeigten, «dass der Klimawandel die Häufigkeit und Intensität von Naturkatastrophen in Kolumbien verschärft».
Das ist wenigstens Mariana Córdoba, der Leiterin des Swissaid-Koordinationsbüros im fernen Bogotá, und Daniel Ott Fröhlicher, dem «Programmverantwortlichen Tschad und Kolumbien» im noch ferneren Bern, völlig klar. Wobei Ott Fröhlicher mit dem afrikanischen gescheiterten Staat Tschad und dem drogengeplagten Kolumbien zwei ein wenig auseinanderliegende Verantwortlichkeitsgebiete hat.
Bogotá ist knapp 9000 Kilometer Luftlinie von Bern entfernt. N’Djamena, die Hauptstadt des Tschad, liegt immerhin nur 4100 Kilometer südlich von Bern, allerdings 9800 Kilometer von Bogotá entfernt. Da wird Ott Fröhlicher fröhlich Flugmeilen sammeln, und solche Distanzen können Führungskräfte ja nicht anders als in Business zurücklegen.
Aber abgesehen von solchen Distanzen und bei allem Verständnis für das Leid, das subtropische Regenfälle und Überschwemmungen an der Pazifikküste auslösen: kein Staat, nicht einmal die Schweiz, kann Vorkehrungen gegen alle möglichen Beschädigungen durch das Wüten der Natur treffen.
Aber ein funktionierender Staat sollte selbst in der Lage sein, die nötigen Hilfsmassnahmen einzuleiten. Kolumbien ist ein reiches Land mit grossen Naturschätzen und riesiger Ausdehnung. Würde seine Regierung diese Ressourcen sinnvoll und im Sinne des Wohlergehens der Bevölkerung einsetzen, dann müssten sich die Betroffenen keine Sorgen machen – und wären nicht auf die «Nothilfe» von Swissaid angewiesen.
Ist das nicht der Fall, wird diese Nothilfe schlichtweg nicht bewirken, ausser, dass es Not bei einigen wenigen lindert. Bis zu den nächsten Überschwemmungen.
Das ist der grosse Denkfehler von Swissaid. Aber nicht der einzige.