

Mit Not- oder anderer Hilfe in Elendslöchern der Welt wie dem Tschad oder in Diktaturen wie Nicaragua oder Myanmar kommt man nicht unbedingt in die Schlagzeilen. Und der Präsident von Swissaid Fabian Molina ist mehr an Schlagzeilen in eigener Sache interessiert. Ausserdem wird er durch das mickrige Gehalt, das er mit dieser Position verdient, nicht wirklich zu Höchstleistungen angetrieben.
Und schliesslich ist er weitgehend ausgelastet, in eigener Sache Wind zu machen. Also braucht Swissaid dringend ein Thema, das Publizität verspricht. Da sind einige Themen leider besetzt. Blutdiamanten, Kinderarbeit, Sweatshops, da tummeln sich schon viele, interantionale und grosse Hilfswerke.
Was bleibt? Nach längerem Nachdenken und Kopfkratzen kam Swissaid eine glänzende Idee: Gold. Gold ist ein gutes Thema. Raubgold, schmutziges Gold, unter schrecklichen Umständen abgebautes Gold, das ist ein gutes Thema. Nun ist Swissaid auch in Kolumbien tätig, und der Goldabbau dort, von unqualifizierten Privatpersonen in hochgefährlichen Stollen betrieben, wäre eigentlich ein Thema, dem sich Swissaid widmen könnte.
Aber blöd auch, das interessiert ja die Öffentlichkeit ungefähr so sehr wie die übrige Entwicklungshilfe von Swissaid in diesem Land. Aber da gibt es einen Aufreger, ein Land, eine Stadt, die immer für Schlagzeilen wert ist.
Das Land sind die Vereinigten Arabischen Emirate, die Stadt ist natürlich Dubai. Das soll nämlich ein schrecklicher Sündepfuhl sein, weiss die «SonntagsZeitung»:
«Russische Oligarchen, südafrikanische Geschäftsleute auf der Flucht, gestürzte afrikanische Diktatoren oder Ex-Präsidenten wie Pakistans Pervez Musharraf oder Afghanistans Ashraf Ghani fanden Exil in Dubai – mit Koffern voller Geld. Ebenso die berüchtigten Gupta-Brüder, die in Südafrika der schweren Korruption beschuldigt werden, oder der russische Waffenhändler Victor Bout.»
Furchtbar, welche Brut sich dort tummelt. Das werden die VAR gar nicht gerne lesen, ausserdem stimmt es so auch nicht. Aber das Ausland ist bekanntlich der gegendarstellungsfreie Raum für schlechten Journalismus.
Dem schliesst sich gerne auch Swissaid an, weil die sich aus dem Nichts zu einem Spezialisten für weltweite Goldgeschäfte ernannt hat. Und wenn man bei Journalisten einmal so gespeichert ist, dann wird man gerne jedesmal angefragt, wenn das Thema beschrieben werden soll. So auch hier:
«Laut dem Hilfswerk Swissaid wird täglich 1 Tonne Gold aus Afrika herausgeschmuggelt. Dubai sei dabei eine «wichtige globale Drehscheibe».»
Das hört sich immer gut an in einem Artikel. Das behauptet nicht der Autor selbst, sondern ein Hilfswerk. Das erst noch Swissaid heisst. Also muss das doch zweifellos stimmen, was die sagen. Nur: woher will Swissaid das wissen? Eine Tonne? Jeden Tag? Aus Afrika? Afrika ist ein Kontinent, riesig, unkontrollierbar. Aber Swissaid will das wissen? Und wieso eine Tonne? Kann’s nicht mehr sein? Oder weniger? Ist es einfach eine Tonne, weil das eine handliche Zahl ist und sich nach furchtbar viel anhört?
Jeden Tag eine Tonne, das wären logischerweise 365 Tonnen im Jahr. Das wäre so viel, wie China als der grösste Goldproduzent der Welt in einem Jahr aus seinen Minen fördert. Das wäre mehr, als Russland, Australien, Kanada im Jahr schürfen. Das wäre mehr als das Doppelte der Goldproduktion der USA.
Ist das also eine realistische Zahl? Abgesehen davon, dass Swissaid nicht im geringsten dafür Belege oder gar Beweise vorlegen kann: das ist eine unrealistische, umplausible, aus der Luft gegriffene Zahl. Aber man kommt damit in die Medien.
Ein Scheissspiel.